24h Übung JRK/JF

 

Höchster Kreisblatt
Printausgabe vom 06.10.2003
Verletzte befreit, Vermissten gesucht, Feuer gelöscht und einen Plüsch-Affen gerettet
Ein Tag wie bei der Berufsfeuerwehr
Von Ulrike Kleinekoenen

Kriftel. Der schwarze Opel-Kadett war vermutlich zu schnell um die scharfe Rechtskurve zur Hohlmauer hochgeprescht und dabei auf die andere Fahrbahnseite geraten. Die entgegenkommende Motorradfahrerin konnte ihm nicht mehr ausweichen. Bei dem Zusammenstoß wurde die junge Frau in die Wiese geschleudert, der Autofahrer landete mit seinem Wagen bewusstlos im Graben. Diese Situation fanden die Nachwuchsorganisationen von Feuerwehr und DRK vor, als sie am Samstagnachmittag um 16.24 Uhr am Unfallort eintrafen. Gott sei Dank war es kein Ernstfall, sondern nur eine Übung. Für die jungen Helfer war es an diesem Tag jedoch schon der sechste Einsatz. Seit sieben Uhr früh hatten sie Bereitschaft im Gerätehaus, es galt einen "Tag wie bei der Berufsfeuerwehr" zu bewältigen, das heißt 24 Stunden "Dienst".

Insgesamt 40 Jungen und Mädchen, 30 von der Jugendfeuerwehr und zehn vom Jugendrotkreuz, beteiligten sich an dieser Mammut-Übung, die erstmals in der Obstbaugemeinde durchgeführt wurde. Betreut wurde die Jugend von zehn Aktiven der beiden Organisationen. Mit dem gemeinsamen Frühstück und der Zusammenstellung der Küchenteams begann der Tag. Um 8.25 Uhr ertönte zum ersten Mal der Alarmgong. Eine Ölspur an der Ecke Richard-Wagner-/Rossertstraße musste mit Ölbindemittel, Schaufel und Besen entfernt werden. Eine Stunde später galt es die Königsberger Straße von ausgelaufenen Stoffen zu reinigen. Kurz vor Mittag "brannte" es in der Weingartenschule. Auch Verletzte waren zu versorgen. Gegen zwei Uhr hieß es, einen Betrunkenen zu bergen, der nicht mehr die Böschung am Schwarzbach hochkam. Die Polizei bat um 15 Uhr um Unterstützung. Eine verwirrte Person wurde gesucht. Mit Hilfe aus der Luft durch den Polizeihubschrauber durchkämmte der Nachwuchs von Feuerwehr und DRK das Gelände im Läusgrund, bis man den Vermissten gefunden hatte. Dominic vom Mimtrupp des DRK hatte dies Rolle des Vermissten übernommen. Er stellte auch den bereits erwähnten übermütigen Autofahrer dar, der auf der Hohlmauer seinen Wagen in den Graben setzte, wobei er die Motorradfahrerin verletzte.

"Notarzt" Patrick Heeren hatte sogleich die "Opfer" in Augenschein genommen und seine Anweisungen gegeben. Die Frau, gespielt von der 16-Jährigen Christine, war bewusstlos und hatte Schnittwunden. Sie wurde von den Jugendrotkreuzlern stabil gelagert, die Verletzungen versorgt, ihr Kreislauf kontrolliert und mit Decken gewärmt, bis sie abtransportiert wurde. Etwas schwieriger war es, den Autofahrer zu retten, der in seinem Wagen eingeklemmt war. Erst wurde das Fahrzeug mit Keilen unterlegt, anschließend noch zusätzlich von zwei Lastwagen gesichert. Unter Aufsicht von Gruppenleiter Markus Jakobi durften Sebastian (16) und Jennifer (14) dann mit einem Spreitzer die Tür aushebeln. In der Zwischenzeit hatte die junge DRK-Assistentin Katharina (14) den offenen Unterarmbruch des Verletzten geschient und mit Mullbinden versorgt.

Kaum zurück im Feuerwehrgerätehaus, musste um 18 Uhr ein Tier gerettet werden, das sich am Platz von Airaines auf einen Baum verirrt hatte. Da die Organisatoren der Übung keine Katzenattrappe, wie geplant, hatten auftreiben können, musste ein Affe aus Stoff als Opfer herhalten.

Dann hatten sich die Jugendlichen nun wirklich eine Verschnaufpause verdient. Die Helfer bauten den großen Grill auf und mit Würstchen konnten alle ihren Hunger stillen. Eigentlich hatten sich die meisten schon auf einen ruhigen Abend eingestellt, als um 21.25 noch einmal der Alarmgong ertönte. Buschwerk und Gehölze waren an der Ziegelei in Brand geraten. Ein hell loderndes Feuer erwartete die Mannschaft, das zu löschen war.

Somit ging erst gegen 23 Uhr ein langer Tag zu Ende, so dass sich die meisten ziemlich müde im ersten Stock des Gerätehauses in ihre Schlafsäcke fallen ließen. Nach dem gemeinsamen Frühstück war gestern Morgen endlich Dienstschluss. Die Bilanz der Teilnehmer fiel ziemlich positiv aus: Nils (9) hat der Tag Spaß gemacht, "obwohl es teilweise ganz schön stressig war". Jennifer (14) fand es "cool, vor allem, weil wir so viel gemeinsam gemacht haben". So war für Jugendfeuerwehrwart Patrick Kilian und JRK-Gruppenleiter Tobias Brandt der lange Einsatztag, bei dem der Nachwuchs der beiden Organisationen gut kooperiert hat, "sehr lehrreich, um zu erkennen, woran wir noch intensiver arbeiten müssen". Der Feuerwehrmann will seine junge Truppe noch besser in der Ersten Hilfe von Verletzten schulen, wobei er gerne auf die Unterstützung des DRK zurückkommen wird.